Gahname Nr. 6: Erschienen Dezember 2003

Die vorliegende Ausgabe der „Gahname“ widmet sich zwei Themenkomplexen: den Natur- und Ingenieurwissenschaften und dem globalen Energieproblem. Die Gründe für diese Themenwahl sind folgende:

Das dramatische Schauspiel der Entwicklungsgeschichte des Menschen begann in dem Augenblick, in dem der primitive Urmensch sesshaft wurde. Ihm gelang es, allmählich seine Herrschaft über die Natur auszuweiten und ihre Kräfte für sich nutzbar zu machen. Dies tat er zunächst mit Hilfe primitiver Techniken, die er entwickelte, um die Werkzeuge anzufertigen, die er zum Überleben benötigte. Wie bedeutsam seine Vorgehensweise war, geht aus der Tatsache hervor, dass die Historiker die verschiedenen Abschnitte der Entwicklungsgeschichte der Menschheit nach den Werkstoffen nennen, die unsere Vorfahren benutzt haben: Stein-, Eisen- und Bronzezeit.

Das Aufkommen der Naturwissenschaften und der sich daraus entwickelten Ingenieurwissenschaften veränderte dann tiefgreifend das Leben der Menschen. Betrachtet man Nahrung, Kleidung, Behausung, Beschäftigung und Erholung als die elementarsten Bedürfnisse der Menschen, so stellt man fest, dass noch nie in der Geschichte die Menschen diese Bedürfnisse so weitgehend befriedigen konnten, wie es in der heutigen modernen Industrie- und Informationsgesellschaft der Fall ist. Auch die Erfüllung der geistigen und kulturellen Wünsche wird dank der Verflechtung zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und technischen Errungenschaften in höchstem Maße realisiert. Kultur ist per se ein Abstraktum, eine Fiktion. Sie wird erst dann zu dem, was sie ist, wenn sie auf irgendeine Weise kommuniziert wird. Die moderne Industrie- und Informationsgesellschaft stellt die geeigneten Kommunikationsmittel zur Verfügung, mit denen wir unsere geistig-kulturellen Bedürfnisse und Wünsche umfassend befriedigen können.

Die moderne Industrie- und Informationsgesellschaft wäre aber ohne die Natur- und Ingenieurwissenschaften kaum vorstellbar. Die ersten zwei Beiträge dieser Ausgabe befassen sich daher mit der historischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Naturwissenschaften, Technik und Technologie.

Aus den klassischen Natur- und Ingenieurwissenschaften sind in der letzten Zeit andere technische Wissenschaften hervorgegangen. Auf der Mathematik, Physik, Chemie und Biologie aufbauend sind beispielsweise die fachübergreifenden Gebiete der Informatik, Bio- und Gentechnik erstanden. Die Kombination der Mechanik, Elektronik, Informatik und Biotechnik haben wiederum zur Entstehung der Ingenieurfachgebiete Adaptronik, Mechatronik, Mikrosystemtechnik und Nanotechnologie geführt. In vier Artikeln werden die Grundlagen dieser neuen Ingenieurwissenschaften dargelegt. Beispiele für ihre praktischen Anwendungen finden sich in zwei ergänzenden Beiträgen.

Die Lösung des globalen Energieproblems stellt eine der größten Herausforderungen dar, mit denen sich die Natur- und Ingenieurwissenschaften heute konfrontiert sehen.

Die Zahl der den Erdplaneten bewohnenden Menschen hat in den letzten zwei Jahrhunderten dramatisch zugenommen. Einige direkte Folgen dieser unheilvollen Entwicklung sind die globale Hungersnot, Arbeitslosigkeit und Umweltzerstörung. Darauf hoffen, dass irgendwelche Einflussfaktoren den schwindelerregenden ständigen Bevölkerungszuwachs eindämmen könnten, wäre illusorisch. Vielmehr ist die weltweite Befriedigung der elementarsten Bedürfnisse der Menschen angesagt. Um zumindest den zunehmenden Bedarf der Menschen an Nahrungsmitteln zu erfüllen, müssen wir - angesichts der immer knapper werdenden Energieressourcen - neuer Energiequellen ausfindig machen. In vier Beiträge wird daher versucht, die naturwissenschaftlichen Grundlagen der wichtigsten Techniken zur Energiegewinnung, wie Kernfusion, Fotovoltaik, Solarzellen und Wind, zu vermitteln. In einem weiteren Aufsatz wird die gegenwärtige globale Energiepolitik kritisch erörtert.

N. K.

Die Redaktion der „Gahname“ möchte hiermit ihren aufrichtigen Dank den Autorinnen und Autoren aussprechen, die zum Gelingen dieser Ausgabe beigetragen haben.